Lawinenbulletin - Geschichte und HintergründeDie Anfänge des Lawinenbulletins
Als 1931 die Kommission für Schnee- und Lawinenforschung gegründet wurde, widmete sie sich in erster Linie der systematischen Erforschung von Lawinen. Ab dem Winter 1936/37 nutzte der Schweizer Skiverband erstmals ihre Beobachtungen, um jeweils auf die Wochenenden via Presse und Radio Informationen über die Schneeverhältnisse in den Schweizer Alpen zu publizieren. Durch die militärstrategische Bedeutung der Schweizer Alpen während des zweiten Weltkrieges gewann die Lawinenforschung zunehmend auch an politischer Bedeutung. Die Erfahrungen aus dem ersten Weltkrieg – die Zahl der in Lawinen ums Leben gekommenen Soldaten wird auf 60‘000 geschätzt – waren nicht vergessen. Zudem verschüttete anfangs 1939 eine Lawine oberhalb von Lenk eine ganze Kompanie Gebirgssoldaten. Dieser Unfall verstärkte das Interesse der militärischen Verantwortungsträger an der Arbeit der Kommission. Jetzt endlich stiess auch das Anliegen der Kommission auf offene Ohren, die Armee möge sie personell und finanziell unterstützen. Die Zusammenarbeit intensivierte sich. Mitarbeiter der Forschungsstation Weissfluhjoch bildeten fortan militärische Kader in Lawinenbelangen aus. 1940 richtete das Militär in enger Zusammenarbeit mit der Kommission einen Lawinenwarndienst mit Beobachtungsstationen an verschiedenen Orten in der Schweiz ein. Die Lawinenwarnung an die Truppe war damit institutionalisiert. Vom militärischen zum zivilen Lawinendienst
Nach Kriegsende übernahm das inzwischen gegründete SLF am 01.10.1945 von der Armee die Verantwortung für die Lawinenwarnung und baute den zivilen Lawinenwarndienst auf. 1950 versorgten 20 Beobachter den Lawinenwarndienst mit Informationen zur Wetter-, Schnee- und Lawinensituation. Pro Woche veröffentlichte das SLF ein Lawinenbulletin über das Radio und die Presse. Sowohl der aufstrebende Wintertourismus wie auch die Verantwortlichen für die öffentliche Sicherheit der Bevölkerung profitierten von diesen Informationen. Nach dem Lawinenwinter 1950/51 wurde neben dem baulichen Lawinenschutz auch die Lawinenwarnung weiter ausgebaut. Zusätzliche 30 Beobachter übermittelten ihre täglichen Meldungen per Fernschreiber nach Davos und die Zahl der Lawinenbulletins verdoppelte sich auf ca. 40 pro Winter. 1989 erfolgte ein parlamentarischer Vorstoss, um das Lawinenbulletin über den Telefonabruf allgemein zugänglich zu machen – die Telefonnummer 187 wurde eingeführt. Die Europäische GefahrenstufenskalaObwohl bereits 1983 eine Arbeitsgruppe der Europäischen Lawinenwarndienste (EAWS) zur Verbesserung der Zusammenarbeit über die Landesgrenzen hinweg gegründet wurde, arbeiteten die einzelnen Länder in der Lawinenwarnung noch lange mit unterschiedlichen Gefahrenstufenskalen, die 6 bis 8 Gefahrenstufen enthielten. 1994 führte die EAWS die fünfteilige Europäische Gefahrenstufenskala ein. Diese Einigung auf eine einheitliche Skala war ein Durchbruch für die internationale Lawinenwarnung und brachte für alle Beteiligten eine deutliche Vereinfachung. Vom Zustandsbericht zur Prognose
Bis zum Winter 1996/97 verbesserte das SLF das Lawinenbulletin in der Schweiz schrittweise und publizierte es jeweils morgens zwischen 9 und 10 Uhr durchschnittlich 2 bis 3 Mal pro Woche als Zustandsbericht. Ab dem Winter 1997/98 wurde die Dienstleistung nochmals deutlich ausgebaut. Die nationalen Lawinenbulletins erscheinen seither täglich um 17 Uhr als Prognose für die nächsten 24 Stunden. Zudem führten die Prognostiker bis im Winter 2002/03 nach und nach sieben regionale Lawinenbulletins ein, die sie jeweils morgens um 8 Uhr als neue Einschätzung für den laufenden Tag veröffentlichen. Ein dichteres Beobachternetz sowie ein neu aufgebautes Messnetz aus automatischen Wetterstationen (Interkantonales Mess- und Informationssystem) liefern dazu bis heute die Datengrundlagen. Der Siegeszug des Internets mit seinen graphischen Gestaltungsmöglichkeiten und seit kurzem auch die Smartphones erleichtern heute die Verbreitung der Warninformation und machen diese zu einem unverzichtbaren Werkzeug für Schneesportler und Sicherheitsverantwortliche. |