WSL und SLF feiern 200 Jahre Forschung im Dienste der Umwelt Homelink
 

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Wie schützt sich ein Tourismusort vor Lawinen?

Ein Exkursionsteilnehmer hilft bei der Demonstration einer Lawinensprengung

Ein Exkursionsteilnehmer hilft bei der Demonstration einer Lawinensprengung

Andermatt erlitt im 20. Jahrhundert mehrmals Lawinenkatastrophen mit Todesopfern und zerstörten Wohnhäusern und militärischen Unterkünften. An dieser Veranstaltung wurde vom SLF und den lokalen Sicherheitsverantwortlichen aufgezeigt, was getan wird, damit das Dorf, die Verkehrswege und die Skigebiete vor solchen Katastrophen geschützt werden können.

Am Vormittag vermittelten Vorträge über baulichen Lawinenschutz, den Lawinendienst der Armee, den Schutzwald, die Lawinensituation in Andermatt, den Winterdienst auf den Strassen und Passöffnung, den Permafrost am Gemsstock und das Lawinenbulletin eine fundierte Einführung in den Lawinenschutz. An die hundert Gäste aus Andermatt, dem restlichen Kanton Uri und der ganzen Schweiz verbrachten den strahlend schönen, milden Vormittag in der Mehrzweckhalle und folgten den Vorträgen mit grossem Interesse.

Am Nachmittag verblieb eine Gruppe im Dorf, um mehr über eine Studie zu erfahren, für die viele Andermatter befragt worden waren. Dabei sollte herausgefunden werden, wie viel den Andermattern die Dienstleistung des Schutzwaldes wert ist. Zudem erfuhren sie bei einem Dorfrundgang, wo Andermatt von Lawinen bedroht wird bzw. wurde, und wie es heute geschützt wird.

Zwei Gruppen fuhren per Seilbahn Richtung Gemsstock. Am Rand der Piste erhielten die einen wortwörtlich einen Einblick in die Schneedecke, indem sie ein sogenanntes Schneeprofil gruben, also ein Schneeloch bis zum Boden. Darin lassen sich die verschiedenen Schneeschichten erkennen, und es können manchmal Hinweise auf sogenannte Schwachschichten gefunden werden, auf denen Lawinen abrutschen könnten.

Schneedeckenstabilität beurteilen mittels Profil

Schneedeckenstabilität: wichtige Information für den Lawinenwarndienst

Die letzte Gruppe, der sich die Schreiberin angeschlossen hatte, liess sich in die Geheimnisse der Lawinensicherung des Skigebiets einführen. Nach jedem Schneefall müssen die Hänge, welche auf die Pisten abrutschen könnten, mit Sprengungen entladen werden. Das erledigen mehrheitlich immer noch Patrouilleur mit sogenannten Handsprengungen, also indem sie Sprengladungen von Hand in den Hang werfen – manchmal auch von der Seilbahnkabine aus. An einigen Orten stehen zudem automatische Sprengmasten, welche auch bei schlechtem Wetter und/oder sehr gefährlichen Bedingungen computergesteuert eingesetzt werden können. Die abschliessende Demonstration einer Sprengung mit anderthalb Kilo Sprengstoff liess die Anwesenden ganz direkt die Vibrationen spüren, welche im Echtfall die Lawine auslösen würden. Da aber der Sicherheitsdienst natürlich seinen Job schon längst erledigt hatte – die Pisten waren ja geöffnet – bewirkte die Sprengung vor allem leichtes Ohrenrauschen, sowie viel Respekt für die anspruchsvolle, nicht ganz ungefährliche und verantwortungsvolle Arbeit, welche frühmorgens erledigt wird, wenn wir noch gemütlich im Bett schlummern und vom kommenden Skitag träumen.

Fotos vom Anlass:

http://www.wslf.ch/jubilaeum/info/veranstaltungen/veranstaltungskalender/25_andermatt/fototour/index_DE

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Das SLF feiert

„Schneeschmöcker“ nannte man die jungen Forscher, die 1936 am Weissfluhjoch ob Davos begannen, Schneeprofile zu graben und Schnee-Messgeräte aufzustellen. Die Schnee- und Lawinenforschung steckte damals weltweit in den Kinderschuhen, Untersuchungsmethoden und geeignete Gerätschaften mussten die ambitionierten Wissenschafter weitgehend neu erfinden.

Heute schaut das SLF auf 75 Jahre Schnee- und Lawinenforschung zurück und feiert sein Jubiläum mit verschiedenen Anlässen.

Medienmitteilung vom 4.11.2011

On appelait « Schneeschmöcker », renifleurs des neiges, ces jeunes chercheurs qui commencèrent dès 1936 à creuser des profils de neige et à mettre en place des appareils de mesure. À cette époque, la nivologie et l’étude des avalanches étaient encore au berceau dans le monde entier, et ces scientifiques ambitieux devaient la plupart du temps imaginer les méthodes d’étude et inventer les appareils adéquats.

Cette année le SLF se retourne sur ses 75 ans de recherches est célébré cet avec des manifestations dans plusieurs régions de Suisse.

Communiqué de presse du 4.1.2011

Erstes Institutsgebäude (rechts) auf dem Weissfluhjoch 1942

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Von Christbäumen und Schafen

Kurz bevor die WSL ihre Türen für Weihnachten schliesst, fand er wieder statt, der jährliche WSL-Christbaum-Verkauf für die Belegschaft. Seit 33 Jahren können die Mitarbeitenden der WSL als Dankeschön für ihre Arbeit preisgünstig Christbäume beziehen. Die Fichten werden auf dem eigenen Areal kultiviert. Jedes Jahr pflanzen Mitarbeitende des Versuchsgartenleiters Toni Burkart rund 200 vierjährige «Kindergarten-Bäumchen» in die Christbaumkultur. Und jedes Jahr werden aus der Kultur wieder 100 bis 150 Bäume an die WSL-Mitarbeitenden verkauft. Bis die Bäume die gewünschte Grösse erreicht haben, dauert es 4 bis 10 Jahre. Je nachdem wie hoch die eigene Stube ist. Würden die WSL-Christbäume auf Waldareal produziert, sie hätten mit Sicherheit ein FSC-Label: Die Bäume werden nur einmal im Jahr gegen Fichtengallläuse gespritzt und nicht gedüngt.
Während die Mitarbeitenden sich kurz vor Weihnachten am schönen Anblick der Bäume erfreuen, geniessen andere, etwas wolligere Gäste des WSL-Areals die Nadelbäume schon während des ganzen Jahres: die Shropshire- Schafe, eine alte englische Hausschafrasse. Sie lieben das Gras, meiden die Nadelbäume und erledigen so die grösste Arbeit der Pflege der WSL-Christbaumkultur.

Shropshire-Schafe werden gerne zur Pflege von Christbaumkulturen eingesetzt.

Shropshire-Schafe werden oft zur Pflege von Christbaumkulturen eingesetzt.

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Zwei Antrittsvorlesungen in einer Woche

Die beiden neuen PDs mit ihrem ehemaligen Bereichsleiter Otto Wildi

Die beiden neuen PDs mit ihrem ehemaligen Bereichsleiter Otto Wildi

Der akademische Nachwuchs aus der WSL-Landschaftsforschung hält Einzug an der ETH. Am Montag 13. Dezember 2010 war die Antrittsvorlesung von PD Dr. Janine Bolliger mit dem Titel «Szenarienbasierte Landschaftsmodellierung» und am Mittwoch 15. Dezember folgte gleich diejenige von PD Dr. Anita Risch zum Thema «Beziehungsnetze – Gleichen sich CH-Nationalpark, Serengeti und Yewllowstone?»

Beide Privatdozentinnen machten ihre Dissertation an der WSL und setzten nach Aufenthalten in den USA (Postdocs) ihre wissenschaftliche Karriere an der WSL fort.
Mit der Habilitation der beiden Forscherinnen verfestigt die WSL ihre Verbindungen zu den Umweltwisssenschaften der ETH.

Den zahlreichen WSL-Mitarbeitern im Publikum erschien vieles aus den beiden Vorlesungen vertraut, waren sie doch bei verschiedenen Forschungsprojekten der beiden neuen PDs in irgend einer Form beteiligt gewesen, nicht zuletzt auch als Betreuer und ehemalige Vorgesetzte.

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Bellinzona nel volgere di un secolo

Aggiornato 4.1.11: ne parla la TV! Il Quotidiano
Mostra a Bellinzona fino al 9. gennaio 2010

Alla sede Sud delle Alpi del WSL abbiamo rivissuto fotograficamente lo sviluppo di Bellinzona e castelli degli ultimi cent’anni. Con una tecnica che ci permette di riprendere i soggetti nell’identica perspettiva di allora vi invitamo a percorrere la storia con noi.

Bellinzona, Piazza Indipendenza

Bellinzona, Piazza Indipendenza 1917

Ed ecco il diaporama, basato su cartoline di inizio del secolo scorso. Fu presentato da Marco Moretti in Piazza del Sole al ricevimento ufficiale della città per i 10 anni dei castelli nel Patrimonio Mondiale UNESCO il 2.12.2010.

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Autore: Patrik Krebs

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Die WSL und die UNESCO-Burgen

Am 30. November 2011 jährte sich Aufnahme der Burgen von Bellinzona ins UNESCO-Weltkulturerbe zum 10. Mal. Zu diesem Anlass macht die WSL der Tessiner Hauptstadt ein Geschenk: die Multimediaschau “Bellinzona und und ihre Schlösser über die Jahrhunderte”. Diese wird am offiziellen Empfang der Stadt am 2. Dezember auf der Piazza del Sole gezeigt und läuft danach bis Ende Jahr im Castel Grande.

Einladung der Stadt an den Eröffnungsanlass

Einladung der Stadt an den Eröffnungsanlass

Das WSL-Team in Bellinzona hat eine Technik entwickelt, mit der sich neue Fotos aus der identischen Perspektive wie alte Bilder aufnehmen lassen. Damit erziehlt es verblüffende vorher/nachher-Effekte. Mehr in diesem Blog sobald verfügbar. Für den Anlass wirbt ein Spot von Teleticino, der Bilder aus der WSL-Diaschau enthält.

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Man ist besorgt bis zuversichtlich

Podiumsdiskussion zum Thema “Zukunft ohne Wirtschaftswachstum?” vom 24.11. an der ETH Zürich

Das Podium an der ETH Zürich: von links nach rechts: Hans-Peter Studer (Ökonom, Buchautor), Bernd Schips (Emeritierter Ökonomieprofessor ETH Zürich), Ursula Gut-Winterberger (Finanzdirektorin Kanton Zürich), Diskussionsleiter Philipp Löpfe (Wirtschaftsjournalist), Irmi Seidl (Ökonomin WSL), Jan Poser (Chefökonom Bank Sarasin)

Das Podium an der ETH Zürich: von links nach rechts: Hans-Peter Studer (Ökonom, Buchautor), Bernd Schips (Emeritierter Ökonomieprofessor ETH Zürich), Ursula Gut-Winterberger (Finanzdirektorin Kanton Zürich), Diskussionsleiter Philipp Löpfe (Wirtschaftsjournalist), Irmi Seidl (Ökonomin WSL), Jan Poser (Chefökonom Bank Sarasin)

Die WSL-Ökonomin Irmi Seidl diskutierte mit einem Banker, einer Politikerin und zwei weiteren Ökonomen über das Buch, das sie zusammen mit der Politikwissenschafterin Angelika Zahrnt herausgegeben hatte: Postwachstumsgesellschaft. Konzepte für die Zukunft. Darin stellen sie fest, dass ein Wirtschaftswachstum in den westlichen Industrienationen eigentlich gar nicht mehr stattfindet und fordern, dass man aus Gründen der Nachhaltigkeit auch darauf verzichten sollte.

Wie schlimm ist es, wenn wir kein Wirtschaftswachstum mehr haben?
Die Podiumsteilnehmer konnten den Fakten im Buch nicht wiedersprechen, aber sie hatten sehr unterschiedliche Vorstellungen von den Konsequenzen. Irmi Seidl und andere Buchautoren sind der Meinung, dass man damit umgehen kann, wenn man die richtigen staatlichen Massnahmen trifft. Der Banker Jan Poser zu ihrer Linken war zuversichtlich und vertraute in das Innovationspotential unserer Industriegesellschaft: das Wachstum könne durchaus weiterhin stattfinden in weniger ressourcenverbrauchenden Sektoren, das sei nur eine weitere Strukturänderung. Die Politikerin auf der anderen Seite hatte auch Vertrauen in unsere Wirtschaft, unsere demokratische Gesellschaft und auch noch in die Atomenergie.

Der emeritierte Professor Bernd Schips hingegen machte sich Sorgen wegen der demographischen Entwicklung (er meinte damit die Überalterung) und wiederholte, dass wir Wirtschaftswachstum brauchen, sonst gehe alles bachab. Wenn die Wirtschaft erlahme, verliere alles seinen Wert, wir stünden vor dem Nichts, alles andere seien Illusionen. Er sagte aber nichts darüber, wie wir ein Wachstum wieder herbeizaubern könnten. Der Autor des Kapitels über das Gesundheitswesen, Hans-Peter Studer, sprach über verschiedene Wege um diesen letzten, aber unerwünschten Wachstumssektor auch noch zum Schrumpfen bringen, er könne durchaus noch effizienter gemacht werden.

Bei vielen Punkten gingen die Meinungen weit auseinander, beispielsweise bei der Fragen ob der Staat neue Energien subventionieren solle. Aber man blieb schön allgemein und vermied konkrete Aussagen. Das Wort Verteilkämpfe schwebte bedrohlich über der Diskussion. Wie sage ich es meinem Kinde? Am besten mal nichts sagen, aber eine positive Einstelllung bewahren und die Empfehlungen im Buch einfach mal stehen lassen. So wurde niemandem auf die Füsse getreten.

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Wie misst man die Qualität von Landschaften?

FORUM für Wissen 2010: Landschaftsqualität. Konzepte, Indikatoren und Datengrundlagen.

Genug Zeit für Gespräche in den Pausen

Ist das Heimatgefühl bei einem Sonntagsspaziergang über Land eine Landschaftsdienstleistung und wieviel ist sie wert? Am Forum für Wissen zum Thema Landschaftsqualität tauchte diese Frage schon beim ersten Referat auf und begleitete uns durch den Tag. Die Dienstleistungen von Ökosystemen sind bekanntlich ein gewichtiges Argument des Naturschutzes geworden. Ein Praktiker meinte dazu, dass man in der Öffentlichkeit besser erst bei konkreten Produkten (wie beispielsweise Holz oder Trinkwasser) von Dienstleistungen sprechen sollte.

Wir erfuhren, wie schwierig es ist, in Experimenten nachzuweisen, wie genau das Landschaftserlebnis unser Wohlbefinden beeinflusst. Gepflegte Wälder schnitten bei den Tests im Gegensatz zu unaufgeräumten ‘naturnahen’ Wäldern mit Totholz und Jungwuchs besser ab, hingegen zeigten in einem anderen Test die ungepflegt aussehenden Felder mit extensiver Bewirtschaftung wiederum bessere Resultate als die sauberen Strukturen der intensiven Landwirtschaft. Landschaften sind einfach zu komplex für klare und eindeutige Prognosen, man muss ihre Wirkung auf den Betrachter von Fall zu Fall abklären.

In der Diskussion wurden auch Zweifel geäussert, ob man mit solchen quasi-kommerziellen Einzelaspekten der Natur überhaupt gerecht werden könne und man darob nicht den Blick auf das Wesentliche verliere.

Die schriftliche Version aller Präsentationen finden sich wie immer im Tagungsband.

Das FORUM für Wissen war aber auch die Gelegenheit für Praktiker aus Verwaltung, Planung und Naturschutz, sich mit den Leuten aus der Forschung auszutauschen und Kontakte zu knüpfen.

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Das jüngste WSL-Baby

Irmi Seidl, Leiterin der Forschungseinheit Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, bei der Jubiläumsfeier

Als wir mit der Jubiläenplanung loslegten, ging es um 125 Jahre WSL und 75 Jahre Schnee- und Lawinenforschung. Inzwischen zeigt sich, dass dieses “Elternpaar” eine grosse Familie gründete, und dass der Nachwuchs ebenfalls gerne runde Geburtstage feiert. So begehen wir unter anderem auch:

  • 40 Jahre hydrologische Forschung am Erlenbach
  • 35 Jahre Stillberg
  • 20 Jahre Standort Lausanne
  • 20 Jahre Standort Bellinzona
  • 15 Jahre Standort Sion

Am 18. November fand nun ein Geburtstagsfest für den jüngsten Spross dieser fruchtbaren Familie statt: Im Kulturhaus Helferei in Zürich wurde „10 Jahre Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Forschung an der WSL“ gefeiert. WSL-Direktor James Kirchner legte dar, dass für ein modernes Umweltforschungsinstitut Wirtschafts- und Sozialwissenschaften eine unverzichtbare Ergänzung zu den Naturwissenschaften darstellen: „Wenn wir sie noch nicht bei uns hätten, müsste ich sofort eine entsprechende Einheit schaffen.“

Nebst dieser direktorialen Laudatio erfuhren die zahlreichen Gäste, darunter auch viele ehemalige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, in humoristischer Art und Weise mehr über die Ursprünge dieser Forschung an der WSL, und vor allem wurden einige abgeschlossene und laufende Projekte vorgestellt. Wer das verpasst hat, kann sich auf der Homepage der Forschungseinheit schlau machen: http://www.wsl.ch/fe/wisoz/index_DE

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Alpenpflanzen: ihre Vielfalt und ihr Gespür für Schnee

Wo ist es oberhalb von 2500 m ü.M windstill und an sonnigen Tagen bis zu 20 °C warm? Z.B. in einer Polsterpflanze wie dem Himmelsherold, Alpenmannsschild oder Steinbrech. Dies ist nur eine der vielseitigen Strategien, mit denen sich Alpenpflanzen an die harschen Bedingungen ihrer Umgebung anpassen. 75 interessierte Besucherinnen und Besucher fanden am 17. November 2010 den Weg ins Bündner Naturmuseum in Chur, um aus erster Hand zu erfahren, wie die Pflanzen den niedrigen Temperaturen und der kurzen Vegetationsperiode in den hohen Lagen trotzen. Christian Rixen vom SLF, Leiter der Forschungsgruppe „Alpine Ökosysteme“, zeigte in seinem Vortrag noch diverse weitere Tricks, die die Pflanzen auf Lager haben: z.B. die Blütenknospenanlage schon für die nächsten sieben Jahre im Voraus, wie es die Spezialität vom Gletscherhahnenfuss ist. Nur dem „Edelweiss-Syndrom“ solle man nicht verfallen, riet er, nämlich der Annahme, dass wollig-haarige Blätter besonders typisch seien im Umgang mit den extremen Bedingungen. Denn diese Eigenart komme bei Alpenpflanzen nicht häufiger vor als bei Pflanzen im Flachland.

In einem neuen Forschungsprojekt untersuchen er und seine Kollegen, wie sich die Gipfelflora auf 150 Berggipfeln in der Schweiz in den letzten 100 Jahren verändert hat. Dazu greifen die Forscherinnen und Forscher auf historische Vegetationsaufnahmen und auf altes Fotomaterial zurück. Die Gipfel, alle oberhalb von 2600 m, werden neu bestiegen und die Pflanzenarten aufgenommen. Mithilfe von 3D-Brillen bekamen die Gäste einen Eindruck von den historischen Fotos, bei denen es sich zum Teil um Stereobilder auf Glasplatten handelt. Erste Ergebnisse von diesem Sommer zeigen, dass in den letzten 20 – 30 Jahren eine starke Zunahme der Arten stattgefunden hat – dies vermehrt auf „ungestörten“ Gipfeln, also denen mit weniger Besuchern. Weitere Auswertungen sind im kommenden Jahr zu erwarten. Weitere Infos

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