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Abschluss der Feldarbeiten, Urlaub und Rückkehr

Nachdem wir wieder vereint waren, ging die Arbeit leichter von der Hand. Binnen zwei Tagen war der Radar von Lino auf Summit vergraben.



Am letzten Abend am Summit durfte dann auch Martin Proksch endlich sein Expertenwissen unter Beweis stellen, das er sich während den letzen vier Jahren in seiner Doktorarbeit angeeignet hatte. Zur Erinnerung: Der Titel seiner Doktorarbeit war “Hochauflösende Schneemessungen kombiniert mit aktiver und passiver Mikrowellen-modellierung”. Und die bahnbrechende Erkenntnis, die er an diesen Abend gemacht hat: Schnee lässt sich in der Mikrowelle zu Wasser schmelzen.



Danach konnten wir den Rückzug antreten. Allerdings blieben noch die Stationen im Süden zu warten. Doch wir hatten wieder einmal Glück mit dem Wetter und konnten dies in den folgenden zwei Tagen ohne weitere Schwierigkeiten erledigen.

Link auf Youtube-Film: Zeitraffer der Schneeuntersuchungen in Grönland


Dann waren wir fertig, doch unser Flieger zurück auf den europäischen Kontinent liess noch eine ganze Woche auf sich warten. Es hiess also Urlaub machen in Kangerlussuaq, der Perle des Nordens! Zu früh gefreut, es war doch noch viel Gepäck und Cargo zu organisieren, und auch alle Daten wollten gut dokumentiert sein, was sich immer wieder als viel aufwendiger als erwartet herausstellt.

Doch wurden wir mit einem Ausflug an den Russelgletscher belohnt. Dieser Gletscher fliesst ca. 25m pro Jahr, und man hört es immer knacken und krachen im Eis, so dass man meint, es müsste bald einmal eine riesige Eisscholle abbrechen (kalben) und wir könnten spektakuläre Bilder schiessen. Leider wurde unsere Ausdauer nicht belohnt, aber trotzdem war der Anblick gewaltig und eine willkommene Abwechslung vom „Urlaub“ im hohen Norden.



Dann ging es auch schon wieder mit kurzem Stopp in Kopenhagen zurück nach Zürich. Alle Teilnehmer waren froh, wieder in die Heimat zu kommen, auch wenn sie Angst vor einem Hitzschlag hatten: von -30°C auf Summit nach +30°C in Zürich war dann doch etwas zuviel. Zum Glück wurde die Weiterreise nach Davos bald angetreten, was dem ewigen Schwitzen bald ein Ende setzte.



Von links nach rechts: Derek Houtz, Martin Proksch, Martin Schneebeli, Lino Schmid und Konrad Steffen.

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Freudiges Wiedersehen

Heute war grosses Wiedersehen: Nach fünf langen Tagen der Trennung kamen wir (Koni, Martin, Martin, Derrick) heute auf Summit endlich wieder mit Lino zusammen! Nach einer erlebnisreichen Flugtraverse mit aussergewöhnlich schönem Zwischenstopp in Upernavik landeten wir heute Abend mit unserer Twin Otter auf Skiern auf Summit.

Mit Ski auf dem Eis landen ist in den letzten drei Tagen Standard für uns geworden. Insgesamt 11 Standorte konnten wir dabei anfliegen, um dort Wetterstationen zu warten. Je nach dazu benötigter Zeit konnten wir vor Ort dann die Schneedecke mehr oder weniger untersuchen. Koni ist leider sehr gut organisiert, was uns oft nur wenig Zeit fürs Schneeprofil liess, was bei zwei Teilnehmern den Gedanken aufkommen liess, die Stationen ein wenig zu sabotieren. Trotzdem haben wir mittlerweile eine erstaunliche Fähigkeit entwickelt, innerhalb von einer Stunde zu erledigen, wozu andere früher einen ganzen Tag brauchten.

Eine weitere beachtliche Fähigkeit, welche wir entwickelt haben, ist direkt in den Flieger einzusteigen und einzuschlafen. Die letzten drei Tage lassen sich im Zeitraffer so formulieren: In den Flieger einsteigen, schlafen, aussteigen, messen, wieder einsteigen, schlafen, aussteigen, messen usw usw. Dies wiederholt sich etwa 3-4 mal pro Tag, worauf man am Abend dann so müde ist, dass man direkt wieder ins Bett fällt.

Geschlafen haben wir dabei auf einer Raumstation auf Skiern, gezogen von einem grossen Traktor. Die Raumstation ist eigentlich das Aufenthaltsgebäude der Eisbohrkernforscher, welche uns dankenswerterweise mit grosser Herzlichkeit aufnahmen. Als wir allerdings nach drei Tagen inklusive Verpflegung für Forscher und Flugzeug immer noch da waren, war es dann doch an der Zeit weiterzuziehen, da sich die Station gerade auf Traverse befindet, und die Ressourcen knapp sind in der Mitte des Eises.

Die „Verpflegung“ für das Flugzeug ist hier lebenswichtig. Die Tankstelle ist leicht zu finden: zwei Fähnchen im ewigen Eis, dazwischen sechs Fässer Benzin. Gepumpt wird dann von Hand, eine begehrte Arbeit, denn Bewegung hält warm!

Viel weniger aufregend war die Zeit für Lino. Er musste bereits am Montag mit einer Hercules C-130 von Kangerlussuaq nach zum Summit fliegen. In diesem Flugdinosaurier hätte auch die ganze Twin Otter mit den anderen Platz gehabt, aber die wollten lieber noch einen „Schlechtwettertag“ in Kangerlussaq verbringen.

Summit ist ein Camp der amerikanischen National Science Foundation, und befindet sich auf dem höchsten Punkt des Grönländischen Eisschildes, auf 3208 m ü.M. Lino wurde nicht ohne Hintergedanken vorausgeschickt nach Summit. Er sollte schon mit der Installation des Radars beginnen, da er doch der einzige von uns ist, der das nötige Know-how dazu besitzt. Unser gelernter und studierter Elektroingenieur, hochmotiviert, wurde dann allerdings von den Verantwortlichen hier in Summit buchstäblich auf Eis gesetzt: Kein Handgriff geschieht hier ohne das Einverständnis von oben. Zum Glück haben wir „oben“ auf unsere Seite, und seitdem Koni Linos Pläne hier bestätigt hat, kann morgen endlich losgelegt werden.

Trotzdem, die Leute am Summit sind sehr freundlich und haben dem Lino viele spannenden Sachen gezeigt, unter anderem wie man einen Ballon zur Messung des Ozons startet oder eine Piste richtig präpariert.

Das hat dem Lino übrigens am Besten gefallen: Falls nach der Doktorarbeit der Einstieg in den harten Arbeitsmarkt etwas holprig wird, so kann man sich immer noch mit der hier gesammelten Erfahrung bei den Bergbahnen bewerben. Voraussetzung für Linos Einstellung wäre allerdings die Anschaffung eines vernünftigen Raupenfahrzeugs, wie im Bild ersichtlich.

Abgesehen davon machte sich bei Lino jedoch ein herrliches Gefühl breit, das er in der stressigen Endphase der Doktorarbeit kurz vor der Gröndlandreise total vergessen hatte: Langeweile. Lino wurde aber durch die herrlichen Lichtspiele der Mitternachtssonne
und der Halos (Nebensonnen) gut entschädigt.

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Zwei schwere Trennungen

Das Swiss Camp wurde gestern vernagelt und sommerfest gemacht, und nach einem Gruppenfoto ging‘s mit der Twinotter schweren Herzens mit dem ganzen Gepäck zurück an Land.

Link auf Youtube-Film: Übersicht über das Swiss Camp in Grönland


Jetzt sind wir wieder in Kangerlussuaq an der Küste Grönlands, unsere Basis, wenn wir nicht auf dem Eis sind. Und hier fühlen wir uns auch AUTOmatisch daheim.


Der Ruhetag wurde mit Equipment ordnen und neu packen, Wäsche waschen, Emails machen, oder im Fall von Martin Schneebeli, mit einem 2.5 stündigen Dauerlauf verbracht (Video zum Dauerlauf). Er war auch schon im Swiss Camp sehr aktiv am Trainieren.

Das absolute Highlight stand allerdings bei Allen gestern direkt nach der Landung auf dem Programm: Endlich zu duschen!! Ein Genuss, den man sich nur nach knapp zwei Wochen im Zelt auf dem Eis richtig vorstellen kann!

Nun steht auch was anderes fest: Das Schicksal wird uns trennen!

Das Schicksal wird hier in Grönland von den Piloten unserer Twinotter repräsentiert. Eine klare Ansage: Nur vier Personen, statt der ursprünglich angemeldeten (und auch genehmigten) fünf, werden mit auf die Nord-Traverse kommen.

Und die Entscheidung fällt auf Lino. Dies hat schlichtweg funktionale Gründe, da er der Einzige ist, der den Radar auf Summit installieren kann. Lino wird also morgen schon nach Summit fliegen, und dort mit der Installation des Radars beginnen, bis die übrigen am Ende der Traverse in etwa vier bis fünf Tagen dort auf ihn treffen werden. Wir sind allerdings sicher, dass er auf Summit schnell Freunde finden wird, da er mit ca. 2kg Toblerone ausgestattet ist!

Der Grund für diese Entscheidung ist dem in Davos eher unter Schicksal bekannten Wetter zu finden. Ein starkes Tiefdruckgebiet mit Wind und Schneefall zieht von Süden herauf, so dass der ursprüngliche Plan, zuerst die Stationen im Süden zu warten, verworfen werden musste. Dabei hatten wir noch Glück: Andere Forschergruppen, welche nicht schon am Samstag aus dem Eis heraufgeflogen wurden, sind nun dort für eine weitere Woche festgesetzt. Und auch wir wissen noch nicht genau, ob wir morgen ablegen können, oder nochmals einen Ruhetag verordnet bekommen.

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Baldiger Abschied vom Swiss Camp

Heute genossen wir schon bald das Abschiedsnachtessen vom Swiss Camp, die Arbeiten hier sind weitgehende abgeschlossen, inklusive einer ungeplanten Verlängerung von 4 Pfeilern. Wenn das Wetter mitspielt, dann fliegen wir Samstag von hier wieder nach Kangerlussuaq zurück, wo es dann auf die Süd- und Nordtraverse zu den weiteren Wetterstationen geht.

Nun ist es auch egal ob es Mitternacht ist oder nicht – die Sonne geht eh nicht mehr unter. Also könnte man jetzt rund um die Uhr arbeiten… Und heute fühlt es sich tatsächlich so an, nach einem langen Tag draussen, wo der Wind leider kein Mitleid mit uns hatte. Trotzdem wurde das erste durchscheinende Profil gegraben. Und die Anzahl der SMP Messungen wurde, nachdem über Instruktionen aus Davos per Satellitentelefon das Ladegerät richtig gelötet werden konnte, auf über 300 erhöht.





Die Woche brachte weitere Erfolge: Mit unserem mobilen Radar konnten wir eine Wetterstation von Koni wiederfinden, welche vor 3 Jahren abgebrochen und seitdem im Schnee verschollen war. Dazu benötigte es zuerst eine längere Ausfahrt per Schneemobil, welche so manches Grinsen in die kalten Gesichter zauberte, vor allem in die Gesichter unserer amerikanischen Freunden. Für unseren Rader war es dann leichtes Spiel, die Station zu orten. So leicht, dass sich ein mancher überlegte, seinen Beruf an den Nagel zu hängen und unter die Schatzsucher zu gehen. Einmal geortet, musste der 8m lange Kollege aber noch aus über einem Meter Tiefe ausgegraben werden, worauf die kühnen Schatzsucherpläne sich schnell wieder verflüchtigeten.



“Hallo Koni”: Dieser Gruss erfreute nicht nur Koni, sondern auch Lino. Denn nach einigen Verständigungsschwierigkeiten elektronischer Art waren das die ersten (verständlichen) Worte, die sein Akkumulationsradar zu Konis Station schickte. Nun sendet er seinen Zustand stündlich per Satellit in die Schweiz.



Die provisorisch stabilisierte Station musste dann auch noch verankert werden, da im Sommer wieder über ein halber Meter Eis abschmilzt. Dazu wurde fleissig gebohrt, so dass neue Balken versenkt werden konnten, damit auch nächstes Jahr die Forscher auf sicherer Plattform das Fondue des Chefs geniessen können.



Am späten Abend dann geschieht jedoch das Beste: Die tief stehende Sonne taucht das ganze eisige Land in tiefrote Farbe und alle werden schliesslich für ihren Fleiss belohnt.

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Höchst interessante Schneedecke, Fondue und Busse im Schnee

Es ist fast Mitternacht und die Sonne macht immer noch keine Anzeichen, hinterm Horizont zu verschwinden. Und wenn sie es dann doch tut, ist sie innerhalb von ca 1.5h wieder da. Wir schlafen aber trotzdem länger, v.a. heute, nachdem Sonntag, also Ruhetag, ist.

Ruhetag allerdings nur bedingt. Das Radar, zur Messung der Schneeschichten und des Schmelzens, wurde heute fertig installiert, und alle (v.a. Lino) sind gespannt, wenn es morgen in Gang gesetzt wird. Die bisherigen Schnee- und Infrarotprofile zeigen nämlich eine höchst interessant Schneedecke, mit riesigen Tiefenreifkristallen am Boden, welche man so bei uns in den Alpen nicht findet. Andere nutzten den Sonntag dazu, etwas Busse zu tun, indem sie mehrere Stunden auf Knien durch den Schnee zogen. Dies allerdings im Sinne der Wissenschaft, was eine beachtliche Anzahl an SMP Messungen (218) zu Tage förderte.



Ausserdem sind die Wartungsarbeiten für das bestehende Wetterstationsnetz in vollem Gange. Allerdings kann man hier nur schlecht eine Skitour zu den Stationen machen, sondern man fährt bis zu 50km mit dem Schneemobil übers Eis. Oder am besten gleich mit vier Schneemobilen, wenn man alle Ausrüstung mitnehmen muss, um die Wetterstation abzusenken und ein komplettes Schneeprofil zu machen. Unsere Station, etwas tiefer Richtung Küste gelegen, hat dabei in einem Jahr 4m an Eis verloren, und dementsprechend hoch hängen dann auch die Sensoren in der Luft. Nach einiger Arbeit, Station anheben, neues Loch bohren, Station wieder versenken, konnten wir die Sensoren wieder auf Augenhöhe kriegen.



Das Wetter, für diese Jahreszeit übrigens erstaunlich warm, kann einem die Arbeit trotzdem erschweren. Es gibt hier, wo alles flach ist, nicht gerade viel, was einem vor dem stetigen Wind schützen kann. Es sei denn, man gräbt sich ein Loch, was zum Glück sowieso zu unserm täglich Brot gehört. Mit einem Holzbrett und etwas Schnee abgedeckt, kann man darin dann wunderbar messen.



Zur Belohnung für unsere erste Arbeitswoche im Eis gab es dann wieder einmal ein Fondue, höchstpersönlich vom Chef zubereitet und serviert!

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Ankunft im Swiss Camp und erstes Schneeprofil

Wir sitzen im Zelt, sind etwas müde und etwas hin nach dem Fondue und der ersten Nacht auf dem Eis. Das Hallo war grossartig, die Nacht – kein Kommentar. Trotzdem lebt es sich im Land der langen Schatten ganz gut (die um diese Zeit, da wir den Blog schreiben, schon sehr lang sind). Heute haben wir das erste Schneeprofil gemacht, und sind dabei auf einen aussergewöhnlich spannenden Untergrund gestossen: einen durchlöcherte Eisoberfläche.

So eine Station, die ein Jahr nicht bewohnt war, gibt reichlich Arbeit. Heute morgen haben wir einen halben Tag gearbeitet, um den Küchentisch gerade zu stellen. Dazu musste die ganze Station einen halben Meter angehoben werden. Das Eis schmilzt hier nämlich rasant, etwa einen halben Meter pro Jahr, was dazu führt, dass die mittleren 4 Pfosten in der Luft schwebten. So erlebt man Klimawandel ganz neu am eigenen Leib.

Swiss Camp in Grönland


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Mit vielen interessanten Daten im Gepäck zurück aus der Antarktis

Nun bin ich schon wieder eine Woche in Davos, mit meiner Familie, meinen Kollegen, und meinem Computer. Auch die Schneeproben haben den Weg gegen Norden angetreten: Glücklicherweise kam noch ein letztes Flugzeug nach unserer Abreise, transportierte die Proben von der Station Kohnen zur Station Neumayer.Von dort werden die Proben in Kürze in einem Kühlcontainer per Schiff nach Bremerhaven reisen.

Die Reise von der Station Kohnen nach Davos lief “wie am Schnürchen”. Auf dem Flugfeld der Station Troll sahen wir wieder etwas anderes als nur ein Gestein, der farbige Gneis erweckte sofort unser Interesse.

Gneis bei der Station Troll

Auf dem Gletscher beim Flugfeld der Troll-Station breitet sich ein Moränenfeld aus gebändertem gneisartigem Gestein aus.

Ja, es reichte sogar zwischen der Landung in Kapstadt und dem Weiterflug nach München zu einer Wanderung auf den Tafelberg – wieder Blumen, Büsche und Bäume zu sehen war ein ganz besonderes Erlebnis.

Protea auf dem Tafelberg

Auf dem Tafelberg war es dichter Nebel, windig, aber warm und grün (im Bild eine Protea). Nach zwei Monaten Schnee eine richtige Augenweide.

Was hat die Expedition der Schneeforschung gebracht? Erstens konnten viele neue Methoden erprobt werden, wie das hochauflösende Radar, die Kombination des Profils im Nahen Infrarot mit dem durchscheinenden Profil und dem SnowMicroPen. Schon jetzt wissen wir, dass die Ablagerung des Schnees und die Metamorphose in der Antarktis wesentlich anders, und in gewisser Weise auch komplexer, als in den Alpen ist. Die windgeprägten Ablagerungsprozesse und die lange Dauer der Metamorphose führen zu bisher kaum beschriebenen Schneestrukturen, die für die Entstehung des Eiskerns wesentlich sein könnten. Die Auswertung der Daten wird nun einige Zeit in Anspruch nehmen. Hier werde ich eng mit dem Alfred-Wegener Institut zusammenarbeiten.

Rippel im Schnee

Dreieckige kleine Dünen entstanden gegen Schluss unseres Aufenthaltes, zusammen mit den charakteristischen Rippeln. Solche Strukturen finden sich manchmal im Schneeprofil konserviert.

Ich hoffe, dass ich den Leserinnen und Leser meines Blogs einen Einblick in die für einen Schneeforscher so spannende Welt der Antarktis geben konnte. Vielleicht bis zum nächsten Mal!

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Letzte Schneeprofile auf Kohnen

Das Ende der Saison auf der Station Kohnen kommt näher. Diese Woche erweiterten wir unsere Entfernung von der Station bis auf 13 km, so konnten wir auch weiter entfernte Schneeoberflächen erkunden. Gestern haben wir bei beissendem Wind unser letztes Profil gemessen: Das nun wieder funktionierende SnowMicroPen gab uns die Chance präzise zu messen wie die Schneedecke immer weicher wurde. Insgesamt haben wir nun über tausend Messungen gemacht, allein in den letzten Tagen ein paar hundert.

Martin unter der Decke

Die Fotos im nahen Infrarot werden mit künstlichem Licht gemacht. Um eine optimal reflektierende weisse “Höhle” zu erhalten, wird das Schneeprofil mit einer weissen Plane abgedeckt.

An der Schneeoberfläche hat sich eine harte, wenige Millimeter bis Zentimeter dicke Kruste entwickelt, und darunter eine Schicht aus Schnee der bei der geringsten Berührung in Sand zerfällt. In dieser Schicht finden wir kettenähnliche Strukturen, nicht aus Tiefenreif wie in den Alpen, sondern aus kantigen Aggregaten. Sie brechen im übrigen ganz wunderbar das Licht, unsere rote Kleidung scheint beim Betrachten mit der Lupe als rote Punkte auf.

Inzwischen haben wir 26 Profile fotografiert, im Nahen Infrarot und als durchscheinendes Profil. Jedes Profil ist verschieden, und wir finden immer neue spannende Details, die uns Auskunft über die Ablagerung und spätere Metamorphose geben.
Obwohl es hier wirklich flach ist, lassen sich windigere und weniger windige Standorte über einige Kilometer oder sogar über wenige hundert Meter unterscheiden. Wir freuen uns, diese Profile dann im Detail auszuwerten!

Durchscheinende Profile

Eine kleine Auswahl von unseren durchscheinenden Profilen. Das grosse Bild zeigt ein durchscheinendes Profil etwa 10 km von der Station entfernt, wo es mehr windgeprägte Strukturen hat.

Nun sind alle Kisten mit Forschungsmaterial gepackt und mit Kabelbindern abgeschlossen bereit für den Rücktransport. Steffi und mir bleibt nur noch, mit etwas Wehmut im Schnee spazieren zu gehen.

Antarktische Weite

Ein Blick zurück in das antarktische Weiss und Blau.

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Auch bei schlechtem Wetter wird auf Kohnen geforscht

Feldforschung heisst auch mit verschiedenen Arten von Wetter umgehen zu können. Diese Woche war besonders spannend. In den ersten Tagen war es weiterhin schön, so zwischen -15 und -25 Grad. An der Oberfläche bildete sich eine harte Kruste, und trotz mässigen Windes hatten wir beim Messen des zweiten 50 m langen Grabens (der mit der Schneefräse gegraben wurde), keine Drift, was natürlich beim Messen der Dichte mit der ganz klassischen Methode von Schneeausstecher und Federwaage sehr angenehm war.

Johannes im Whiteout

Mein Kollege Johannes im Whiteout. Alles scheint zu schweben, Schnee und Luft können nicht unterschieden werden (Foto K. Klein).

Gegen Mitte der Woche nahmen dann Tiefdruckgebiete den Weg über unsere Station. Der Wind nahm zu, bis zu 25 Knoten (ca.45 km/h) wurden auf unserer Station gemessen, aber gleichzeitig wurde es auch wärmer, und es fiel etwas Schnee. Schneefall hier heisst, man findet am Morgen etwas Schneestaub, so einige wenige Millimeter dick, auf den windabgewandten Seiten der Station. Da Kohnen auf knapp 2900 m über Meer liegt, steckt man bei solchen Wetterlagen auch einmal in den Wolken. Den Arbeitsplatz im Freien fanden wir dann nur noch mit dem GPS auf der vorher eingemessenen Route. Es ist schon ein spezielles Gefühl, mit dem Skidoo durchs “Nichts” zu fahren, wenn die Sichtweite nur noch wenige Meter ist, alles in Weiss verschwindet und die Bambusstangen mit ihren Wimpeln in der Luft zu schweben scheinen.

Durscheinendes Profil

Ich bin zuunterst am Ausgraben des durchscheinenden Profils, Katja, Johannes und Steffi helfen beim Entnehmen einer Probe für die Tomografie (Foto K. Klein).

Trotzdem konnten wir einen neuen 3.6 m tiefen Schacht erstellen. Dabei wurden wir von Johannes, Katharina und Katja unterstützt, die erst heute Sonntagmittag endlich zu ihrem neuen Bohrplatz abfliegen konnten – sie warteten schon seit Weihnachten darauf. In diesem Schacht konnten wir drei in der Tiefe aufeinander folgende durchscheinende Profile ausschneiden, und gleichzeitig lange Proben für die Computertomografie entnehmen.

Schneeburg

Die fast zwei Meter hohe Schneemauer schützt Mensch und Graben vor Schneedrift. Links und rechts der Mauer hat sich eine mehr als einen halben Meter hohe und 20 m lange Düne gebildet. Die Mauer haben wir aus den ausgesägten Schneeblöcken aus dem Graben aufgebaut, was fast so einfach geht, wie sie auf einen Haufen zu werfen.

Mit dem Neuschnee und den viel stärkeren Winden setzte natürlich auch wieder die Schneedrift ein. Weil wir am ersten Tag optimistisch nur einen kleinen Windschutz aus Schneeblöcken bauten, fanden wir am nächsten Tag wegen der gedrehten Windrichtung einen Teil des Schachtes von Drift gefüllt. Und so bauten wir am nächsten Tag halt eine viel grössere Mauer, die uns dann auch sehr wirksam vor Schneestaub und Kälte beim Arbeiten schützte.

Kohnen im Abendlicht

Die Hauptstation liegt im rechten Drittel (das lange Gebäude). Die weiteren schwarzen Punkte sind Container mit diversem Material und Diesel sowie einzelne Zelte.

Das durchscheinende Profil gelang übrigens auch in 3 m Tiefe, womit wir nun die Entwicklung der Schnee- und Firndecke über fast 20 Jahre rekonstruieren können! Am Freitagabend klarte es dann langsam auf, wie dieses Bild der Station zeigt.

Paket mit dem neuen SMP-Kabel

Gestern Mittag ist das lang ersehnte Paket mit dem neuen Kabel für das SnowMicroPen angekommen. Die Freude darüber ist gross und wir hoffen, nun die Veränderung des Schnees seit Dezember noch genauer messen zu können.

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Schneesport und Summer School

Blauer Himmel

Abziehende Wolken am 31. Dezember 2012, die hier von Nordost nach Südwest ziehen.

Das antarktische Wetter ist im Inneren des Kontinents von stetigen, aber meist nicht sehr heftigen Winden, und durchziehenden Wolkenfeldern geprägt. An der Küste hingegen ist es oft sehr stürmisch. Bei schönem Wetter, was es hier auf Kohnen fast immer ist, flaut der Wind gegen Nachmittag ab, und dann kann es im Windschatten angenehm warm werden – was immer etwas relativ ist, wenn man morgens bei einer gefühlten Temperatur von -35 Grad gearbeitet hat. Nach vier Wochen ist aber die Kälte weitgehend zur Gewohnheit geworden. Der weite Horizont und die sehr saubere Luft führen zu ganz unglaublichen Blaus, und das ist neben unseren roten Daunenoveralls der grösste Farbkontrast in dieser Welt. Zu Beginn der Messungen haben wir viel mit dem SnowMicroPen gemessen. Da der Schnee manchmal sehr hart ist, und das Gerät mit aller Kraft auf den Schnee gedrückt werden muss, machten wir manchmal “Gerätesport”. Bei etwa 150 Messungen für einen Transekt von 50 m recht anstrengend.

Liegestütz mit SnowMicroPen

Liegestütz auf dem SnowMicroPen. In harten Schichten muss der eindringenden Spitze eine Kraft von bis zu etwa 400 N (entspricht ca. 40 kg Gewicht) entgegengehalten werden (Foto: S. Weissbach)

Es ist nicht wirklich erstaunlich, dass in der grossen Kälte nicht alle Instrumente funktionieren, wie wir es wünschen, da sie doch sehr stark beansprucht werden. Nach mehreren hundert Messungen ist das sehr empfindliche Kabel zum Messen der Kräfte beim SnowMicroPen gebrochen, und wir haben den Stecker zu reparieren versucht – leider immer nur mit kurzem Erfolg. Wenn alles gut geht, kommt ein Ersatzkabel hoffentlich mit dem nächsten Flug am 8. Januar hier an. Antarktische Forschung bedingt eben immer auch flexibel zu sein, und sich verschiedene Optionen offenhalten. Bis jetzt ist uns das ganz gut gelungen, indem wir viele durchscheinende Profile graben, die uns den Aufbau und Geschichte des Schnees hier zeigen. Auch das neue hochauflösende Schneeradar (GPR) setzen wir nun viel ein, und es zeigt viele interessante Strukturen, die wir erst ansatzweise verstehen. beim Schieben des Messwagens im Gegenwind packen wir uns sehr gut ein, so dass von uns nicht mehr viel zu sehen ist.

Schneeradar-Messung

Messen mit dem Gigahertz-Schneeradar. Die Schneeoberfläche ist hart, und man sinkt höchstens ein paar Centimeter tief ein. Mit dem Radar messen wir bis in etwa 2 m Tiefe, ohne ein Profil graben zu müssen, und können damit verschiedene Schichten sehen (Foto: S. Weissbach).

Da ganz verschiedene Projekte laufen, präsentieren wir jeweils am Montag gegenseitig die neuesten Messungen, und diskutieren was sie zu bedeuten haben. Letzten Samstag, im 50 m langen, mit der Schneefräse ausgehobenen Graben, machten wir eine kleine “summer school”. Dort diskutierten wir den Aufbau der Schneeschichten an Hand von Bildern im Nahen Infrarot.

PS: das erste Feldbuch ist voll!

Summer School

Diskussion im 50 m langen Schneeprofil über den Aufbau der Schneeschichten.

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